Meine Philosophie
Hinter meiner Arbeit steht eine Haltung: das dialogische Prinzip. Es geht davon aus, dass wir Menschen erst in der Begegnung ganz werden — und dass in echtem Dialog etwas entsteht, das keiner von uns allein hervorbringen kann.
„Der Mensch wird am Du zum Ich.“
Das dialogische Prinzip
Mein Fundament ist das dialogische Prinzip nach Martin Buber und David Bohm. Buber hat beschrieben, dass wir Menschen zwei Grundweisen kennen, der Welt zu begegnen: als Ich–Es — beobachtend, nutzend, urteilend — und als Ich–Du, in echter, offener Begegnung. David Bohm hat daraus eine Praxis des Gesprächs entwickelt: den Dialog als gemeinsames Denken, bei dem es nicht darum geht, Recht zu behalten, sondern miteinander etwas Neues zu verstehen.
Vier Haltungen des Dialogs
In meiner Arbeit — ob in der Einzelbegleitung, mit Paaren oder in Gruppen — orientiere ich mich an vier dialogischen Kernhaltungen:
Zuhören. Wirklich hinhören, ohne schon die Antwort vorzubereiten. Zuhören, ohne zu reparieren.
Respektieren. Den anderen als legitim anderen stehen lassen — gerade dann, wenn er anders denkt, fühlt, lebt.
In der Schwebe halten. Die eigenen Urteile und Annahmen nicht wegdrücken, aber auch nicht sofort aussprechen — sie betrachten und befragen.
Von Herzen sprechen. Das sagen, was jetzt wesentlich ist. Nicht alles, was gesagt werden könnte — sondern das, was gesagt werden will.
Verlangsamung als Weg
Vieles in unseren Beziehungen scheitert nicht am fehlenden Willen, sondern am Tempo. Wir interpretieren nach gewohnten Mustern und reagieren zu schnell. Der Dialog lädt zur Verlangsamung ein: einen Atemzug lang bei dem bleiben, was der andere gesagt hat, bevor wir antworten. In dieser kleinen Lücke beginnt Veränderung.
Wachsen im Zwischen
Ich glaube nicht, dass Entwicklung eine Einzelleistung ist. Das eigene Ich zur Fülle bringen, jede Begegnung als Bereicherung verstehen, dem Wir einen Raum geben — das sind für mich keine drei getrennten Ziele, sondern drei Blickrichtungen derselben Bewegung. Ein Du hält ein Dach über meine keimenden Möglichkeiten — und manchmal darf ich dieses Dach für andere sein.